Partei in der Klemme

Linkspartei in der Klemme: Kommentar

Halle (Saale) - Die Verbindung zwischen Parteien und Wählern ist niemals rein rational. Zwar ist die Parteibindung in Ostdeutschland deutlich geringer als im Westen, sie schrumpft zudem überall von Wahl zu Wahl.

21.05.2017, 20:13

Die Verbindung zwischen Parteien und Wählern ist niemals rein rational. Zwar ist die Parteibindung in Ostdeutschland deutlich geringer als im Westen, sie schrumpft zudem überall von Wahl zu Wahl.

Dennoch: Der Wähler, der fleißig Programme studiert und allein auf dieser Basis seine Stimme vergibt, muss erst noch geboren werden. Eine Partei verkörpert immer auch ein Lebensgefühl, sie macht ein Angebot zur Identifikation. Der PDS und späteren Linkspartei ist das über viele Jahre recht gut gelungen.

Sie gerierte sich als unbequeme Partei, die als einzige laut ausspricht, was die Eliten nicht hören wollen. Zugleich befeuerte und nutzte sie die Abgrenzung der Ost- von den Westdeutschen. Man muss kein Soziologe sein, um bei allen Differenzen das Gemeinsame zu erkennen: Sehr ähnlich funktioniert heute die AfD.

Die Nische im Parteiensystem, die die Linke besetzt hat, schwindet. „Alle außer uns sind neoliberal“, sagt die Linke. „Alle außer uns sind antideutsche Blockparteien“, kontert die AfD. Und während die Bindekraft des Ostdeutschen schwindet, bietet die Konkurrenz von rechts ein anderes Abgrenzungsmerkmal an: die Ablehnung des Fremden.

Wer war noch gleich das Spitzenduo der Linken?

Die Linken stecken in der Klemme. Zusätzlich erschwert wird die Lage durch eine nach links rückende SPD. Mit ihrem Kanzlerkandidaten Martin Schulz lenken die Sozialdemokraten zudem viel Aufmerksamkeit auf sich. Das Duo an der Bundesspitze der Linken - wer ist das doch gleich? - kann da nicht mithalten. Und in Sachsen-Anhalt?

Zwei gemäßigt linke Parteien können in der Regierung mitbestimmen. In der Opposition aber findet die AfD mit ihren radikalen Forderungen mehr Gehör. Wahlergebnisse von mehr als 20 Prozent im Osten sind für die Linke so Geschichte.

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