Sender zur Stellungnahme genötigt

Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg: MDR-Moderatorin Wiebke Binder empört mit AfD-Aussage

Dresden - MDR-Moderatorin Wiebke Binder hat am Wahlabend in Sachsen und Brandenburg mit einer Aussage zur AfD für Kopfschütteln gesorgt.

Mit missverständlichen Aussagen hat MDR-Moderatorin Wiebke Binder zur AfD am Abend der Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg für Empörung bei Zuschauern und Kollegen gesorgt. Im Interview mit dem sächsischen AfD-Kandidaten Jörg Urban sagte Binder: „Eine stabile Zweierkoalition, eine bürgerliche, wäre ja theoretisch mit der AfD möglich.“

Als Urban anschließend die „mediale Kampagne“ gegen seine Partei beklagte, konterte Binder und sagte: „Ich denke, wir haben sehr viel über die AfD berichtet, da war schon viel zu erzählen, und auch viel Unterschiedliches.“ Als Urban mit einem kurzen „Positives“ nachhakte, bestätigte ihm Binder das sehr schnell mit „Positives, auf jeden Fall.“

Binder missachtet damit nicht nur die Verbindungen einiger sächsischer AfD-Politiker in rechtsnationale Kreise, sie verharmlost auch große Teile der Partei als „bürgerlich“. Dementsprechend empört reagierte etwa ihr Kollege Arnd Henze aus dem ARD-Hauptstadtstudio: „Viele Mitarbeitende werden über diese Aussage der MDR-Moderatorin genau so irritiert sein wie Sie. Aber beim MDR verwischen nicht zum ersten Mal die Grenzen nach ganz rechts“, antwortete Henze auf eine Frage des freien Journalisten Stefan Niggemeier auf „Twitter“.

Unterstützung aus dem AfD-Lager

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Götz Frömming springt ihr dagegen bei: „Da sagt ein Mal, ein Mal jemand etwas Wahres in der ARD – und wird sofort geteert und gefedert.“

Zu einer Stellungnahme sah sich am Abend auch noch Binders Sender, der MDR, auf „Twitter“ genötigt: „Unter dem enormen Stress einer Live-Sendung bei einer solchen Doppelwahl mit ständig neuen Ergebnissen und wechselnden Konstellationen kann es zu Missverständnissen kommen und können Unschärfen passieren.“ Am Montag folgte noch eine Entschuldigung von MDR-Chefredakteur Torsten Peuker: „Hier handelte es sich klar um einen Versprecher, für den wir uns entschuldigen.“

Auch bei „Anne Will“ wird Binders Aussage am Abend noch einmal aufgegriffen. Parteichef Alexander Gauland berichtet stolz vom vermeintlichen Fortschritt seiner Partei und sagt: „Wird sind auf dem Weg, die bürgerliche Volkspartei zu werden“. Vehemente Kritik gibt es sofort von SPD-Politikerin Manuela Schwesig, die Gauland Aussage mit „Sie sind nicht bürgerlich“ schnell abkanzelt. (mz/dpa)