Ein zweites "MausGerutscht"?

Ex-AfD-Landeschef teilt Mordaufruf gegen Kanzlerin Merkel auf Facebook - und gibt fadenscheinige Erklärung ab

Günter Brinker, Ex-AfD-Chef in Berlin und Ehemann der amtierenden Berliner AfD-Vorsitzenden Kristin Brinker, hat auf Facebook einen Mordaufruf gegen Kanzlerin Angela Merkel geteilt. Der Beitrag stammt ursprünglich auf einem internen AfD-Chat. Das Wirtschaftsmagazin "Business Insider" hat einen Screenshot der Nachricht veröffentlicht.

Brinker habe den Mordaufruf aus Versehen in die AfD-interne Facebook-Gruppe weitergeleitet, zitiert das Magazin. So sei er „auf den falschen Knopf gekommen“. Er habe die Nachricht eigentlich löschen wollen. Er distanziere sich von dem Inhalt des Posts.

In dem Mordaufruf heißt es: "Was da abgeht ist eine bodenlose Frechheit, das die Merkel Drecksau überhaupt noch lebt wunder mich sehr. Ich denke das Stück Dreck ist so beschützt das keiner dazu kommt, oder die Deutschen haben keine Eier?" Die Nachricht blieb fast neun Stunden online, bevor sie gelöscht wurde.

Günter Brinkers Ehefrau, die Berliner AfD-Vorsitzende Kristin Brinker, sagte gegenüber dem "Business Insider", ihr Mann sei in technischen Dingen einfach "nicht so firm".

Unter technischen Gesichtspunkten wirft Brinkers Erklärung Fragen auf. Die "Beitrag teilen"- und die "Lösch"-Optionen auf Facebook befinden sich an ganz unterschiedlichen Stellen. Beim Teilen eines Beitrags in eine Gruppe muss diese zudem händisch ausgewählt werden.

Die fragwürdige Erklärung erinnert an den "Mausgerutscht"-Skandal der stellvertretende AfD-Bundessprecherin und stellvertretenden AfD-Fraktionsvorsitzenden Beatrix von Storch im Jahr 2016.

Die damalige AfD-Vizevorsitzende hatte damals einem Facebook-Post zum Waffengebrauch für den Grenzschutz gegen Flüchtlinge zugestimmt. Dazu schrieb sie, es sei in Fällen illegaler Grenzüberschreitung ebenfalls gerechtfertigt, auf Frauen und Kinder zu schießen. Tage später erklärte sie gegenüber dem "Spiegel"-Magazin, sie sei lediglich auf ihrer Computermaus ausgerutscht. Unter dem Hashtag #mausgerutscht erntete von Storch daraufhin viel Spott und Kritik. (agy/mz)