Der Anfang aller Probleme

Der Anfang aller Probleme: Kommentar zur hohen Quote der Schulversager und den Folgen

Halle (Saale) - Die hohe Quote der Schulversager verursacht gewaltige Folgen.

08.11.2018, 01:00
Sachsen-Anhalt: Jeder neunte Schüler im Bildungssystem des Landes scheitert und tritt ohne Abschluss ins Leben.
Sachsen-Anhalt: Jeder neunte Schüler im Bildungssystem des Landes scheitert und tritt ohne Abschluss ins Leben. imago stock&people

Jedes Jahr aufs Neue leidet die Landesregierung wie ein Hund, wenn Sachsen-Anhalt in einem Ländervergleich mal wieder ganz unten landet. Blamable Statistiken gibt es reichlich, sie kommen alle paar Wochen. Das Land bekommt Negativ-Schlagzeilen, weil hier die Einkommen ganz besonders niedrig sind, weil es kaum Erspartes oder gar Aktienbesitz gibt, wenig Patentanmeldungen, weil die Zahl der Firmengründungen lächerlich niedrig ist.

Abwanderung, Überalterung, die meisten Verkehrstoten: Am Ende dieser langen Liste messbarer Nachteile ist es auch kein Wunder, dass die Sachsen-Anhalter auch gesundheitlich angeschlagen sind: der höchste Anteil Übergewichtiger, die meisten Herztoten – es nimmt kein Ende.

Bildungssystem in Sachsen-Anhalt: Ohne Abschluss ins Leben

Viele der Probleme greifen ineinander. Wenn man aber einen Faktor sucht, der für den Auf- oder Abstieg des Landes am bedeutungsvollsten ist, wird man bei der Bildung landen. Man könnte sagen: Am Anfang aller Probleme stehen Probleme in der Schule.

Dass jeder neunte Schüler im Bildungssystem des Landes scheitert und ohne Abschluss ins Leben tritt, hat gewaltige Folgen. Mancher kann es zwar noch schaffen: Es gibt Spätzünder, die aus unterschiedlichsten Gründen erst als Erwachsene durchstarten. Für die meisten aber ist ihre schlechte Qualifikation ein Rucksack, den sie ihr Leben lang mit sich herumschleppen.

Seit Jahren ist die Schulversagerquote in Sachsen-Anhalt drastisch überhöht, ohne dass das zu einem Aufschrei geführt hat. Dass sie jetzt sogar noch ansteigt, muss die Landespolitik aufrütteln. Die bisherigen Programme für besseren Schulerfolg, ob Schulsozialarbeiter oder das Lernen im Betrieb, mögen funktionieren; sie reichen aber nicht aus. Das Land braucht eine grundlegende Neuausrichtung.  (mz)

Den Autor erreichen Sie unter: hagen.eichler@mz-web.de