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Anstieg in den letzten fünf Jahren Anstieg in den letzten fünf Jahren: Mehr Gewalt an Deutschlands Schulen

Von Tobias Peter 22.07.2018, 20:33
Faustschlag auf dem Schulhof (in diesem Fall inszeniert)
Faustschlag auf dem Schulhof (in diesem Fall inszeniert) dpa

Berlin - In den vergangenen Jahren sind an Deutschlands Schulen mehr Fälle von Kriminalität und Gewalt verzeichnet worden. Das gehe aus Lagebildern zum Tatort Schule der Landeskriminalämter hervor, berichtete die „Welt am Sonntag“. Demnach gibt es in allen Bundesländern ab dem Jahr 2013 oder später in der Statistik einen Anstieg in den Kategorien physischer und psychischer Gewalt.

„Wenn in der Gesellschaft Dinge schieflaufen, spiegelt sich das auch unmittelbar an den Schulen wider. Kinder leben ja nicht in einer anderen Welt als die Erwachsenen“, sagte der Chef des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, dieser Zeitung. Die Lehrergewerkschaft hatte im Mai eine repräsentative Forsa-Umfrage veröffentlicht, für die 1200 Schulleitungen befragt wurden. Das Ergebnis: In den letzten fünf Jahren gab es an jeder vierten Schule körperliche und an der Hälfte der Schulen psychische Gewalt gegen Lehrer.

„Es geht nicht nur um Einzelfälle“

Beckmann betont: „Gewalt von Schülern, aber auch Eltern gegenüber Lehrkräften ist ein echtes Problem – es geht nicht nur um Einzelfälle, wie die Politik uns manchmal weismachen will.“

Generell ist es schwierig, das Thema Kriminalität und Gewalt an der Schule mit konkreten Zahlen zu unterfüttern. In der Polizeilichen Kriminalstatistik ist der Tatort Schule nicht einzeln erfasst. Auch die Jugendkriminalität ist zumindest bis zum Jahr 2016 gesunken. Aber wie könnte das diejenigen unter den Lehrern trösten, die in ihrem Alltag etwas vollkommen anderes erleben?

Präziser als die Kriminalstatistik geben die Lagebilder zum Tatort Schule Auskunft, die von den einzelnen Landeskriminalämtern erstellt werden. Sie können je nach Bundesland etwas anders gestaltet und von unterschiedlicher Qualität sein. Aber sie erfassen die gemeldeten Straftaten in der Schule, auf dem Schulhof und oft auch auf dem Schulweg.

Dramatischer Anstieg bei schwerer Körperverletzung

Laut „Welt am Sonntag“ hat ab 2013 oder in den Folgejahren in den Lageberichten zum Tatort Schule in zehn Bundesländern die Zahl der gemeldeten Straftaten zugenommen, in allen die Zahl der Fälle physischer und psychischer Gewalt. Dramatisch sei vor allem der Anstieg bei der gefährlichen und schweren Körperverletzung: zehn Prozent in Nordrhein-Westfalen, 21 Prozent in Hessen und 39 Prozent in Sachsen-Anhalt, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Meldungen über „schwere körperliche Gewalt“ im Berliner Lagebericht seien zwischen 2012 und 2016 sogar um 69 Prozent gestiegen.

Grundsätzlich müssen Zahlen zur Kriminalität vorsichtig interpretiert werden. Der Kriminologe Christian Pfeiffer hat in der Vergangenheit mehrfach betont, dass der Anstieg von Fallzahlen immer auch an einem veränderten Anzeigenverhalten liegen könne. Auch Lehrergewerkschafter Beckmann räumt ein, dies sei eine mögliche Erklärung. „Gewalt gegen Lehrkräfte war lange ein Tabu-Thema“, sagte Beckmann. Dieses Tabu breche, auch dank der Arbeit der Lehrergewerkschaft, langsam auf. Gestiegene Fallzahlen könnten also auch mit einem verstärkten Meldeverhalten zu tun haben, sagte er. „Entscheidend ist aber: Es gibt ein wirkliches Problem, dem die Politik sich stellen muss.“

Probleme an vielen Stellen

Der VBE-Chef fordert, dass die Politik das Problem ernst nehmen müsse. „Die Schulen sind mit vielfältigen Problemen konfrontiert, haben dafür aber eine viel zu geringe Personalausstattung“, sagte er. „Wir brauchen mehr Lehrer. Aber die Lehrer brauchen auch mehr Unterstützung durch andere Fachkräfte wie Schulpsychologen und Sozialarbeiter.“

Der Lehrergewerkschaft geht es auch darum, dass junge wie erfahrene Lehrer besser auf schwierige Situationen vorbereitet werden. „Der Umgang mit Gewalt und Konfliktsituationen muss besser in die Ausbildung integriert werden“, sagte Beckmann. „Und: Wir brauchen dringend mehr gute Weiterbildungsangebote.“