OB als „Volksverräter“ beschimpft

Pegida-Protest in Dresden Frauenkirche: OB Hilbert als „Volksverräter“ beschimpft

Dresden - Vor der Einweihung eines umstrittenen Kunstwerkes vor der Frauenkirche in Dresden ist es zu massiven Protesten von Pegida-Anhängern gekommen.

08.02.2017, 06:00
Ein Demonstrant hält auf dem Neumarkt in Dresden anlässlich der Einweihung der Skulptur „Monument“ des syrischen Künstlers Manaf Halbouni ein Transparent mit der Aufschrift „Busse vor's Kanzleramt!“.
Ein Demonstrant hält auf dem Neumarkt in Dresden anlässlich der Einweihung der Skulptur „Monument“ des syrischen Künstlers Manaf Halbouni ein Transparent mit der Aufschrift „Busse vor's Kanzleramt!“. dpa-Zentralbild

Rechte Demonstranten haben die Einweihung eines umstrittenen Kunstwerkes vor der Dresdner Frauenkirche am Dienstag massiv gestört. Gut 100 Anhänger des islam- und fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses schrien gegen Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) an, der eine Rede zu der Installation des deutsch-syrischen Künstlers Manaf Halbouni hielt. Das aus drei aufrechtstehenden ausrangierten Linienbussen bestehende Kunstwerk „Monument“ soll an das Leid der Zivilbevölkerung im umkämpften Aleppo erinnern. Es soll zwei Monate auf dem Neumarkt stehen und ist Teil des Gedenkens an die Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg am 13. Februar.

„Schande, Schande“ und „Der Schrott muss weg“, skandierte die aufgebrachte Menge. Hilbert wurde als „Heuchler“ und „Volksverräter“ beschimpft. „Hilbert muss weg“, forderten die Demonstranten.

Dresdens OB Hilbert hatte im Vorfeld sogar Morddrohungen erhalten

Der FDP-Politiker war in den vergangenen Tagen auch im Netz heftig angegriffen worden und hatte sogar Morddrohungen erhalten, weil er im Hinblick auf das Gedenken am 13. Februar vor einem Opfer-Mythos gewarnt und Dresden als eine „alles andere als unschuldige Stadt bezeichnet hatte“.

Schon vor der Rede Hilberts hatte sich Vizeministerpräsident und Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) auf dem Neumarkt teils heftige Diskussionen mit den Demonstranten geliefert. „Ich habe den Eindruck, dass es hier Leute gibt, die einfach nur ihren Müll abkippen, wo es gar nicht mehr darum geht, reden zu wollen“, sagte er.

Vizeministerpräsident und Wirtschaftsminister Dulig: Akzeptiere keine Pöbeleien

Er könne eine kritische Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk akzeptieren und stehe selbst für Gespräche darüber bereit, sagte Hilbert. „Was ich aber nicht akzeptiere, sind plumpe Pöbeleien und Rumgeschreie.“

Manchmal bedürfe es ungewöhnlicher Mittel, um das Weltgeschehen im wörtlichen Sinne vor Augen zu führen, sagte Hilbert. Die Busse seien ein solches Mittel. Mit dem „Monument“ wolle Halbouni wachrütteln und vermitteln. „Vermitteln zwischen den unterschiedlichen Orten Dresden und Aleppo, zwischen unterschiedlichen Ereignissen wie der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg und der Zerstörung Aleppos im Syrienkrieg, vermitteln zwischen Vergangenheit und Gegenwart und zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen und der gemeinsamen Hoffnung auf ein Leben in Frieden und Freiheit.“ (dpa)