Leiharbeit in Sachsen

Leiharbeit in Sachsen: Nur jeder fünfte Arbeitslose findet Job

Dresden - Obwohl Leiharbeiter die gleiche Arbeit machen, bekommen sie viel weniger Geld

Linke-Politikerin Sabine Zimmermann fordert gleiche Bezahlung für Leiharbeiter.
Linke-Politikerin Sabine Zimmermann fordert gleiche Bezahlung für Leiharbeiter. dpa

Leiharbeit ist für viele Sachsen oft die einzige Chance für einen Job im ersten Arbeitsmarkt. Fast jeder fünfte Erwerbslose werde bei Rückkehr auf den Arbeitsmarkt Leiharbeiter, teilte die Zwickauer Linke-Politikerin Sabine Zimmermann am Donnerstag mit.

Insgesamt hatten 2015 in Sachsen 127.908 Arbeitslose einen sozialversicherungspflichtigen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt aufgenommen. Mit 24.500 Betroffenen war Leiharbeit der Bereich mit den meisten Rückkehrern.

Leiharbeiter sind Angestellt zweiter Klasse

Zudem werden Leiharbeiter auch häufiger wieder arbeitslos als andere. Deshalb hat Leiharbeit den Ruf als „Hire-and-Fire-Branche“ (Englisch für Branche, in der schnell eingestellt und wieder entlassen wird).

Für die meisten bedeute das dauerhaft Niedriglöhne, schlechte Arbeitsbedingungen und „Beschäftigung zweiter Klasse“, kritisierte Zimmermann: „Diente Leiharbeit im Regelfall früher dazu, um Auftragsspitzen abzufedern, ist sie in den letzten Jahren zu einem Instrument des systematischen Lohndumpings geworden und fungiert in vielen Fällen zur Disziplinierung der Stammbeschäftigten“. Viele normale Arbeitsplätze seien durch Leiharbeit ersetzt worden.

„Gleiches Geld für gleiche Arbeit“

„Diesem Handel muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden“, erklärte Zimmermann, die als arbeitsmarktpolitische Sprecherin ihrer Partei im Bundestag amtiert. In einem ersten Schritt müsse das Prinzip „gleiches Geld für gleiche Arbeit“ ab dem ersten Einsatztag umgesetzt werden.

Außerdem gelte es die Verleihdauer auf wenige Monate zu begrenzen und eine sogenannte Flexibilitätszulage in Höhe von 10 Prozent des Bruttolohnes einzuführen. Langfristig müsse man Leiharbeit verbieten.
Zimmermann verwies darauf, das Leiharbeiter Ende 2015 in Sachsen durchschnittlich 1.616 Euro pro Monat brutto verdienten. Dem stehe ein Verdienst von 2.323 Euro für Vollzeitbeschäftigte gegenüber - deutschlandweit seien es 3.084 Euro. Zimmermann hatte für ihre Stellungnahme Daten der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet. (dpa)