Mansfeld-Südharz

Überreste von altem Palast der Königspfalz Helfta entdeckt

Lange war unklar, wo die einstige Königspfalz Helfta sich befand. Jetzt haben Archäologen die Überreste des luxuriösen Palastes freigelegt.

Von dpa Aktualisiert: 28.09.2022, 06:09

Eisleben - Archäologen haben die Überreste des Palastes der wiederentdeckten Königspfalz Helfta bei Eisleben aus dem 10. Jahrhundert freigelegt. „Das Hauptgebäude der Pfalz war groß, mindestens 20 Meter lang und 7 bis 12 Meter breit“, sagte Projektleiter und Archäologe Felix Biermann zur Präsentation am Montag. „Die Fundamente und die teilweise Unterkellerung sind deutlich erkennbar.“

Das ehemals zweistöckige Gebäude war in mehrere große Räume unterteilt. Der Bau stand nordwestlich der Radegundis-Kirche. Die Sandsteinmauern waren vermörtelt und die Wände sorgfältig verputzt. Es gab mehrere Eingänge, darunter eine in ein Souterrain führende Treppe. „Viel spricht dafür, dass wir das Hauptgebäude jenes kaiserlichen Hofes, Curtis imperialis zu Helpidi, vor uns haben, der am 6. Juni 969 in einer in Azzano in Umbrien (Italien) ausgestellten Urkunde Ottos des Großen Erwähnung fand“, sagte Biermann. Damals übertrug der Kaiser die von ihm gestiftete Helftaer Kirche an das Bistum Merseburg.

Eine aufwendige Heizanlage belegt den Wohnkomfort des Gebäudes vor rund 1050 Jahren. In einer Zeit, in der Wohngebäude aus Holz und Lehm errichtet wurden, muss das Gebäude auf die Zeitgenossen großen Eindruck gemacht haben. Hier residierten die Herrscher, wenn sie sich in Helfta aufhielten. Der Bau wurde bereits nach der Jahrtausendwende abgetragen, als der Ort seine Bedeutung für die Kaiser verlor.

Von der Befestigung der frühmittelalterlichen Burg stammen Reste eines verbrannten Holz-Erde-Walls und ein Befestigungsgraben von fast 6 Metern Tiefe und gut 15 Metern Breite. Ebenso wurden frühmittelalterliche Grubenhäuser, Öfen, Feuerstellen, Getreidespeichergruben und eine Kelleranlage entdeckt. Zudem fanden die Ausgräber Gewandspangen, Tracht- und Schmucksachen, Münzen, große Mengen von Keramik und Tierknochen. Auch zahlreiche Siedlungsgruben aus der vorrömischen Eisenzeit, vor 2750 Jahren, kamen zu Tage.

Im späten 9. Jahrhundert wird Helfta als „Helpide“ und „Helphideburg“ im Hersfelder Zehntverzeichnis, einer Abgabenliste der Reichsabtei Hersfeld, erwähnt. Im 10. Jahrhundert belegt die Präsenz ottonischer Herrscher die Funktion des Ortes als Königshof und Königspfalz. Nachgewiesen sind zwei Aufenthalte Kaiser Ottos des Großen (912-973) und seines Sohnes, Kaiser Otto II. (955-983).

Nach dem Zerfall der Kirche nach der Reformation war lange nicht klar, wo die Kaiserpfalz überhaupt lag. 2009 wurde sie durch geophysikalische Untersuchungen gefunden. Demnach befand sich die Pfalz nicht direkt in Helfta, sondern auf einer Anhöhe in der Nähe, die „Kleiner Klaus“ genannt wird. Die Ausgrabungen begannen im Sommer 2021.