Grünen-Parteitag Banaszak: „Links“ ist für mich heute kein Schimpfwort
Eigener Wagen als Freiheit, Fernreisen als Luxus: Warum Klimaschutz für den Grünen-Vorsitzenden Felix Banaszak auch eine soziale Frage ist.

Hannover - Die Grünen dürfen nach Aussage von Parteichef Felix Banaszak hart arbeitende Menschen mit ihren Konzepten für den Klimaschutz nicht vor den Kopf stoßen. Den Delegierten beim Bundesparteitag in Hannover erklärte der aus Duisburg stammende Politiker, für diese Menschen bedeute ein eigenes Auto oft „Freiheit“, und sie müssten lange für eine Flugreise in den Süden sparen.
Er könne etwa verstehen, wenn solche Menschen auf Begriffe wie „Flugscham“ reagierten, indem sie sagen: „Moment mal, ich lebe hier mit meiner Familie auf 65 Quadratmetern, ich spare mir jeden Monat alles ab, was ich mir absparen kann, ich gehe nicht auswärts essen, ich kann nicht einmal die Geschenke kaufen, die sich meine Kinder wünschen zu Weihnachten und zum Geburtstag und Ostern gibt es erst mal gar nichts, damit ich einmal im Jahr die Chance habe, mit ihnen nach Malle zu fliegen, und dafür soll ich mich schämen?“
Die Rechnung für notwendige Klimaschutz-Maßnahmen, etwa im Gebäudebereich, müssten diejenigen bezahlen, die sich das leisten könnten. Das sei auch deshalb gerecht, weil diese mit ihrem Lebensstil deutlich mehr zur Erderwärmung beitrügen, argumentierte er.
Klage über gesunkenes Interesse an Klimaschutz
Banaszak sagte, er sehe, was den Kurs der Partei angeht, keinen Widerspruch zwischen „Geradlinigkeit und Erfolg“. „Links“ sei in diesen Zeiten für ihn kein Schimpfwort. Die Grünen sollten emotionale Heimat sein für viele Menschen, auch für Paketboten und Drogeriemarkt-Kassiererinnen.
Zugleich beklagt Banaszak das gesunkene Interesse der Bevölkerung und junger Menschen im Speziellen am Thema Klimaschutz. Aus seinen Gesprächen mit Jugendlichen habe er gelernt, dass Gründe dafür unter anderem der erstarkende Rechtsextremismus, der Ukraine-Krieg, der Krieg im Nahen Osten und steigende Preise seien.
Ein Blick zurück
Auch er selbst sei ursprünglich nicht wegen des Klimawandels zu den Grünen gestoßen, erzählt Banaszak. Die Bedeutung dieses Themas habe er erst nach der Geburt seiner Tochter richtig erkannt. Wenn er im Bundestag heute über die Erderwärmung spreche, stoße er bei den anderen Fraktionen auf Schweigen, Gähnen und hämisches Lachen. Er frage sich dann: „Liebe Leute, habt ihr nicht auch Kinder, habt ihr nicht auch Enkel?“