Nach massiven Anfeindungen

Bürgermeisterin aus Arnsdorf geht nach rechtem Mobbing und Hetze in Ruhestand

Arnsdorf - Nach monatelangen Anfeindungen hat die Bürgermeisterin von Arnsdorf, Martina Angermann (SPD), ihre vorzeitige Versetzung in den Ruhestand beantragt. Angermann habe am Donnerstagabend in einer Gemeinderatssitzung die Versetzung beantragt und kam damit einem von der AfD geplanten Abwahlantrag ...

Im sächsischen Arnsdorf wurde 2016 ein psychisch kranker Iraker von mehreren Männern mit Kabelbindern an einen Baum gefesselt. Weil sie die Tat verurteilte, wurde die Bürgermeisterin der Gemeinde bis zum Burnout gemobbt.
Im sächsischen Arnsdorf wurde 2016 ein psychisch kranker Iraker von mehreren Männern mit Kabelbindern an einen Baum gefesselt. Weil sie die Tat verurteilte, wurde die Bürgermeisterin der Gemeinde bis zum Burnout gemobbt. dpa-Zentralbild

Nach monatelangen Anfeindungen hat die Bürgermeisterin von Arnsdorf, Martina Angermann (SPD), ihre vorzeitige Versetzung in den Ruhestand beantragt. Angermann habe am Donnerstagabend in einer Gemeinderatssitzung die Versetzung beantragt und kam damit einem von der AfD geplanten Abwahlantrag zuvor.

Den Antrag auf Ruhestand bestätigte am Freitag eine Mitarbeiterin der Verwaltung der Gemeinde nördlich von Dresden. Zunächst hatten die „Sächsische Zeitung“ und der MDR berichtet. Bis der Antrag bewilligt sei, bleibe Angermann noch Bürgermeisterin. Angermann sei seit Februar krankgeschrieben. Gegenüber der taz berichtete sie von rechtem Mobbing bis zum Burn-out.

Sachsens SPD verurteilt Hetze gegen Bürgermeisterin von Arnsdorf

Zuvor hatte die sächsische SPD die Hetze gegen die Bürgermeisterin verurteilt. „Seit Monaten wird sie verbal attackiert, bedroht und versucht, sie durch eine Anzeige einzuschüchtern. Sie soll schlicht „fertiggemacht“ werden“, erklärte SPD-Generalsekretär Henning Homann am Donnerstag in Dresden: „Wir dürfen nicht zulassen, dass rechte Kampagnen unsere demokratischen Werte und den Zusammenhalt in Frage stellen. So etwas darf nicht passieren.“ Angermann hatte selbst mehrfach einen besseren Schutz für Amtsträger gefordert.

Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) schrieb am Donnerstag auf Facebook: „Mit solchen Ränken und Manövern verlieren wir wertvolle Menschen, die sich in der Kommunalpolitik engagieren, Verantwortung übernehmen und zu ihrer demokratischen Haltung stehen.“

Die sächsische FDP forderte einen stärkeren Schutz von Kommunalpolitikern. Partei-Chef Frank Müller-Rosentritt erklärte am Donnerstag: „Gerade in der heutigen Zeit, in der die Kommunikation verroht scheint und es leider immer wieder zu Angriffen auf Politiker kommt, ist es umso wichtiger, dass die sächsischen Amts- und Mandatsträger ihre Arbeit ohne Angst und unter dem Schutz der Justiz ausüben können.“

Arnsdorf 2016 nach Angriff auf psychisch kranken Iraker in den Schlagzeilen

Arnsdorf war 2016 in die Schlagzeilen geraten, nachdem vier Männer aus Selbstjustiz einen psychisch kranken Asylbewerber aus dem Irak gewaltsam aus einem Supermarkt befördert und mit Kabelbindern an einen Baum gefesselt hatten. Darunter war auch ein damaliger CDU-Gemeinderat, der danach zur AfD wechselte. Der Fall wurde nie aufgeklärt. Der Prozess gegen die vier Männer war noch am ersten Verhandlungstag eingestellt worden. Die vier hatten ihr Verhalten als Notwehr dargestellt, angeblich soll der Iraker eine Kassiererin des Supermarktes bedroht haben.

Arnsdorfs Bürgermeisterin hatte diese Tat wiederholt verurteilt und war daraufhin selbst zum Feindbild geworden. Der Iraker wurde Anfang 2017 tot gefunden. Hinweise auf Fremdeinwirkung hatte es den Ermittlern zufolge nicht gegeben. (mz/dpa)